- Bet Haqwarot

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Grußworte

Schirmherr
Bezirkstagspräsident des Bezirk Unterfranken
Erwin Dotzel


Grußwort des Schirmherrn zur
Fotoausstellung „Beith Haqwarot – Ort der Ruhe"
24. September 2014; Alte Synagoge Arnstein




„Arm oder reich, der Tod macht alle gleich." So besagt ein altes Sprichwort. Und wer wollte dieser Einsicht auch widersprechen: Sterbensnot und Todesangst kennen alle Menschen. Und den meisten Kulturen dürfte der Tod übereinstimmend als eine „ewige Ruhe" erscheinen. Im Tod sind wir eben alle gleich. Überaus unterschiedlich sind aber die Formen, die Sitten und Bräuche, mit denen die Menschen mit dem Tod umgehen.

„Beith Haqwarot – Ort der Ruhe", lautet der Titel dieser Fotoausstellung hier in der alten Synagoge in Arnstein. Und dieser Titel zeigt uns bereits, dass es dabei um jüdische Friedhöfe geht. Jüdische Begräbnisstätten weisen einige Besonderheiten auf, die sich aus den religiösen Auffassungen ergeben. So legen Besucher statt Blumen kleine graue Steine aufs Grab. Wegen der Messias-Erwartung werden jüdische Friedhöfe auch „guter Ort" genannt, also der Ort, an dem die Toten dem jüngsten Tag entgegenschlafen.

Diese faszinierenden Orte im Bild festzuhalten, hat sich der Fotograf Klaus Schwarz aus Binsfeld vor drei Jahren zur Aufgabe gemacht. Er dokumentiert mit seiner Kamera, was unserem Auge sonst vielleicht verborgen bliebe. Von der Macht der Bilder ist bei Ausstellungseröffnungen wie dieser regelmäßig die Rede. Und dass ein Bild mehr sagt als tausend Worte, haben wir schon zehntausend Mal gehört. Aber es stimmt eben auch!

Bilder sind so erfolgreich, weil sie schneller sind als der Gedanke – und weil sie unserer Fantasie so viel freien Raum geben. Zwischen Sprechen und Zeigen verläuft eine ganz klare Grenze. Der Macht der Sprache steht die Macht der Bilder gegenüber. Davon können wir alle uns anhand dieser Ausstellung überzeugen.

Dabei geht es Klaus Schwarz mit seinen Fotos jüdischer Friedhöfe weniger um die Ästhetik, weniger um den künstlerischen Aspekt der Fotografie. Klaus Schwarz will vielmehr die Plätze und Orte vor dem Vergessen bewahren. In seinen Bildern steht die Zeit quasi still. Seine Fotos sind geronnene Zeit. Klaus Schwarz hat mit seiner Kamera Momente der Stille eingefangen. Seine Bilder geben speziellen Augenblicken Bestand.

Aber Vorsicht! Der Blick durch die Kamera ist subjektiv. Auf einem Foto sehen wir die Welt durch die Augen des Fotografen. Der Fotograf leiht uns sozusagen sein Auge. Wir sehen seine Sicht der Dinge. Und damit ändert sich zugleich auch unser Blick auf die Welt. Nichts ist ohne Wechselwirkung. Mit den Fotos wandelt sich auch das Bild, das wir uns bis dahin von der Welt oder einem bestimmten Ereignis gemacht haben.

Alles ist ständig im Wandel. Waren es früher Maler oder Kupferstecher, die mit ihren Portraits und Stadtansichten und Landschaftsbildern die Zeit anhielten, so kam ab dem 19. Jahrhundert diese Aufgabe immer mehr den Fotografen zu. Klaus Schwarz hat diese Aufgabe erkannt und – wie ich finde – exzellent gelöst. Er zeigt uns hier Bilder, die etwas Besonderes sind, Bilder, die auch noch in vielen Jahren dem Betrachter etwas zu sagen haben werden. Kurzum: Bilder, in denen die Zeit festgehalten wird und die uns erzählen von den „Orten der Ruhe" in Unterfranken und anderswo.

Dafür danke ich den Verantwortlichen und den Organisatoren dieser Veranstaltung. Namentlich danke ich dem Förderkreis „Alte Synagoge Arnstein" und dessen erstem Vorsitzenden Roland Metz. Vor allem aber danke ich Klaus Schwarz, der ehrenamtlich und aus persönlichem Engagement diese Ausstellung zusammengestellt hat. Er leiht uns seine Augen, um diese „Orte der Ruhe" immer wieder neu zu entdecken!

Der Ausstellung wünsche ich viel Erfolg und den Besuchern unvergessliche Eindrücke.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!



Es gilt das gesprochene Wort

 
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