- Bet Haqwarot

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Was möchte der Fotograf mit dieser Ausstellung bewirken ?


Diese Frage wurde mir in letzter Zeit des Öfteren gestellt, es gibt genau genommen zwei Beweggründe, zum Einen war es meine angeschlagene Gesundheit, die mir vor circa 5 Jahren die Augen öffnete und bis heute beschäftigt. Ich suchte eine Ablenkung und bedingt durch meine Niedergeschlagenheit kam ich auf dieses Thema. –Trauer, traurig sein, Antworten suchen und wo gelingt das am besten, auf einem Friedhof, nun hätte ich auch auf einen evangelischen oder katholischen Friedhof gehen können, doch da war mir zu viel Publikumsverkehr, es sollte ein ruhiger Ort sein, so kam ich zu den jüdischen Friedhöfen, weit vom Dorf abgelegen, niemand der mir über den Weg läuft, eben der „Ort der Ruhe"-
Beith Haqwarot. Mit den entstandenen Bildern kam die Recherche über dieses Thema und somit zu meinem zweiten Beweggrund: die Geschichte, etwas - was in Vergessenheit gerät, ein Thema das mich plötzlich gefangen hält.
Deswegen sehe ich die Bilder auch nicht unter dem „künstlerischen Aspekt", sondern vielmehr unter geschichtlichen, ein Thema das nicht in Vergessenheit geraten darf.     
Was will der Fotograf mit seinen Bildern ausdrücken" - ich möchte Emotionen wecken -  so wie mich bei meinen Fotoausflügen die Grabstellen inspiriert haben, das „Natürliche" –  das „Ursprüngliche", ja das Erhalten eines Friedhofes ohne ständige Erneuerung der Grabstätten – das etwas Andere, die Unterschiede der Kulturen, das assoziiere ich mit „dem Heiligen".
Jetzt stellt sich Ihnen bestimmt die Frage: „mit dem heiligen", ja – bei jüdischen Gemeinden sind die Grabstellen „Heilig" - unberührt, so wie sie einst geschaffen wurden, sie dürfen nach jüdischem Glauben nicht verändert werden, denn sie gehören den Toten und nicht wie bei uns, den Lebenden !
Grabsteine die im Laufe der Jahre/Jahrzehnte ihren Stand verloren haben, sich aneinander lehnen, sich zuneigen, das ist das was mich fasziniert an diesen Motiven, die ich mit meiner Kamera eingefangen habe. Am Anfang habe ich einmal behauptet es sei mystisch und geheimnisvoll, wie sich manche Grabsteine nach so vielen Jahren wie ein „altes Ehepaar" aneinander schmiegen, daraufhin schrieb mir eine Fotografin, es sei nicht mystisch, es sei herzlich und bewundernswert. Nach langer Überlegung muss ich meiner Kollegin recht geben, es ist wirklich herzlich und bewundernswert, wie selbst nach dem Tod sich eins und eins wieder zusammenfügt.
Vielleicht halten sie mich nun für verrückt oder überdreht, aber lassen sie doch einmal diese Motive auf sich wirken, setzen sie sich mit dieser Art von Kultur einmal auseinander, sie werden es früher oder später ebenso sehen und erkennen wie ich, es ist auf jeden Fall interessant, wie sich auch nach dem Leben manche Dinge wieder zusammenfügen – das ist die Natur, das ist das Schicksal, das ist das wahre Leben.


Klaus Schwarz

Binsfeld im Mai 2014
Exposé





 
 
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